BEGEGNUNGEN
2025


Jeewi Lee
Künstlerin

Ryan Mendoza
Künstler 

Uta Grosenick
Kunstbuchverlegerin

Jule Kewenig
Galeristin

René Holm
Künstler 

Leiko Ikemura
Künstlerin

Bernd Schultz
Auktionator

Johanna Petersen
Gallery Management

Ralf Krüger
Galerist

Jonas Burgert
Künstler

Peter Raue
Kunstförderer


Alle Begegnungen 2025
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Johanna Petersen 

Gallery Management
Berlin

Der eigentliche Anfang

Eigentlich waren wir nur zum Abendessen verabredet.

Am Tag vorher fragte Johanna ganz beiläufig, ob ich Lust hätte, vorher noch eine Ausstellung anzusehen.

Ich zuckte mit den Schultern.

Warum nicht?

Wir gingen in die Galerie Sexauer.

Dort begann etwas, das ich bis heute kaum erklären kann.

Wenige Wochen später sammelte ich Kunst.

Ein paar Monate später entwickelte ich Projekte zur zeitgenössischen Kunst.

Besuchte Ateliers. Lernte Künstler kennen.

Und konnte mir ein Leben ohne Kunst kaum noch vorstellen.

Damals konnte ich nicht ahnen, dass dieser Abend mein Leben verändern würde.

Vielleicht entscheidet ein beiläufiges „Warum nicht?“ über viele Jahre eines Lebens.

Jan-Philipp Sexauer

Galerist · Galerie Sexauer
Berlin

Fünf Stunden

Johanna hatte mich in die Ausstellung von Jeewi Lee geschleppt.

Ich verstand Jeewis Arbeiten damals überhaupt nicht.

Jan-Philipp erklärte geduldig.

Ich verstand trotzdem nichts.

Ein paar Tage später rief er an.

Er sei zufällig in Hamburg in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Ob wir einen Espresso trinken wollten.

Ich schlug vor, er solle einfach zu mir kommen.

Aus einem Espresso wurden fünf Stunden.

Wir öffneten eine Flasche Champagner.

Und redeten.

Über Politik.

Über das Leben.

Fast nebenbei auch über Kunst.

Als er ging, war klar, dass wir uns wiedersehen würden.

Aus einem Espresso wurden fünf Stunden. Aus fünf Stunden eine Freundschaft.

Jeewi Lee 

Künstlerin
Berlin

Fünf Monate später

Meine Reise zur zeitgenössischen Kunst begann mit der Ausstellung von Jeewi Lee in der Galerie Sexauer.

Ich ging durch die Räume von Field of Fragments - und verstand nichts. Die Werke erreichten mich nicht. Vielleicht war ich einfach noch nicht bereit für sie.

Heute weiß ich, warum mich diese Arbeiten damals noch nicht erreichen konnten. Jeewi sammelt Sandkörner an verschiedenen Orten der Welt und lässt sie mit Wissenschaftlern bis auf das etwa 3.000-Fache vergrößern. Plötzlich wird sichtbar, was unserem Auge normalerweise verborgen bleibt. Für sie ist jedes Sandkorn ein Gedächtnisspeicher der Erde.

Fünf Monate später saß ich in Jeewis Atelier in Kreuzberg.

Jeewi nahm sich Zeit. Viel Zeit. Sie sprach über ihre Arbeiten, über Erinnerungen und Vergänglichkeit. Jede Antwort öffnete eine weitere Tür. Langsam begann ich zu sehen, was mir zuvor verborgen geblieben war.

Besonders bewegte mich Ashes to Ashes. Jeewi hatte nach den Waldbränden am Monte Serra Asche und Holzkohle gesammelt und daraus handgefertigte Seifen geschaffen. Jedes Stück trägt den Abdruck einer verkohlten Baumrinde. In diesem Moment verstand ich, dass diese Arbeiten nicht vom Ende erzählen. Sondern vom Neubeginn.

Ebenso faszinierte mich die Werkgruppe „Vor-wurf“. Jeewi hatte das verlassene Haus ihres schon vor ihrer Geburt verstorbenen Großvaters in Korea besucht. Sie zog die Tapeten von den Wänden ab und brachte sie nach Deutschland. Alltagsgegenstände, die sie vorfand, ließ sie in Bronze gießen.

Als ich das Atelier verließ, hatte sich nicht ihre Kunst verändert.

Sondern mein Blick.

Einige Wochen später zogen zwei Arbeiten aus Ashes to Ashes bei mir ein. Später folgte eine kleine Bronze – ein paar zum Trocknen aufgehängte Fische aus dem Haus des Großvaters.

Verständnis begann an diesem Nachmittag nicht vor einem Bild.
Sondern an einem Tisch.

Ryan Mendoza

Künstler
Berlin

Der Anfang

Ryan Mendoza war der erste Künstler, den ich überhaupt persönlich kennenlernte.

Es war Zufall.

Ich geriet in sein Atelier und begegnete einem Menschen, dessen Herzlichkeit mich sofort überraschte.

Bis heute staune ich manchmal, wenn ich an das Klischee vom exzentrischen Künstler denke.

In den Monaten danach habe ich unzählige Künstler kennengelernt. Kaum einer war nicht freundlich, offen und großzügig.

Ryan arbeitete gerade an einer Serie, zu der ich zunächst keinen Zugang fand.

Dann drehte ich mich um.

An der gegenüberliegenden Wand hingen Bilder, die mich sofort begeisterten.

Zum ersten Mal begriff ich, wie unterschiedlich das Werk eines einzigen Künstlers sein kann.

Als wir uns verabschiedeten, fragte Ryan ganz beiläufig:

„Wollt ihr noch zu Jonas?“

Ich wusste weder, wer Jonas war, noch dass sein Atelier direkt nebenan lag.

Meine Begleiterin fragte vorsichtig, ob wir dort einfach so vorbeigehen könnten.

Ryan lächelte.

„Ich frage ihn kurz.“

Wenig später kam er zurück.

„Kommt. Jonas freut sich.“

Damals ahnte ich nicht, dass Ryan Mendoza mich gerade auf den Weg geschickt hatte, der mein Leben verändern würde.

Manchmal beginnt ein neues Leben mit einem einzigen beiläufigen Satz.

Jonas Burgert

Künstler
Berlin

Der erste Schritt

Eigentlich interessierte ich mich gar nicht besonders für Kunst.

Ich war zufällig in einer Galerie. Der Besuch sollte nur die Zeit bis zu einem Abendessen überbrücken.

Nebenan Künstlerateliers. Zuerst betrat ich das von Ryan Mendoza. Dann das von Jonas Burgert.

Was ich dort sah, hat mich überwältigt.

Ich wusste nicht, dass Malerei so aussehen konnte.

Oder so viel in einem Menschen auslösen konnte.

Als ich das Atelier verließ, ahnte ich noch nicht, dass ich schon Wochen später selbst mein erstes Bild von Jonas besitzen würde.

Dass wir Freunde werden würden.

Und dass ich meine Tage plötzlich mit zeitgenössischer Kunst verbringen würde.

Ich war siebenundsechzig Jahre alt.

Mein neues Leben begann an einem ganz gewöhnlichen Abend.

Ralf Krüger

Galerist · Feinkunst Krüger
Hamburg

Der erste Anruf

Kaum hatte ich Jonas Burgert in seinem Atelier kennengelernt, wollte ich mehr sehen.

Ich erfuhr, dass in der Galerie Feinkunst Krüger in Hamburg eine Gruppenausstellung stattfindet. Mit einem neuen Werk von Jonas.

Ich rief einfach an.

Ob ich zur Vernissage kommen dürfe.

Ralf Krüger lud mich gleich zur Preview am Tag vorher ein.

Gemeinsam mit meiner Tochter Paulina betrat ich die Galerie.

Sofort sah ich das Bild „stichwarm wahr“ - unglaublich schön gemalt, überwältigend in seinen Farben. Und dann Menschen, bei denen man nicht weiß, ob sie leben oder schon gestorben sind. Auf jeden Fall sind sie müde, erschöpft. Oder sind es gar keine Menschen, sind es Fabelwesen? Ein Pferd hingegen guckt einen direkt an, wie ein stiller Zeuge des rätselhaften Geschehens.

Ich wusste sofort, dass ich ohne dieses Bild nicht mehr nach Hause fahren würde.

So begann meine kleine Sammlung von Jonas Burgert.

Später schrieb Jonas mir einen Brief, zeichnete in mehrere Kataloge.

Ich bekam eine ganz persönliche Geschichte geschenkt.

Magdalena Rysopp

Sammlerin
Hamburg

Die Sammlerin

Ich stand auf der Preview von Feinkunst Krüger noch vor einem Bild von Jonas Burgert, als mich ein anderer Gast ansprach.

"Ich habe auch eins."

So lernten wir uns kennen.

Magdalena Rysopp sammelt seit vielen Jahren zeitgenössische Kunst. Jonas Burgert begleitet sie schon seit Jahrzehnten.

Wenig später besuchte ich sie zu Hause.

Überall Kunst.

Nicht wie in einem Museum.

Sondern wie in einem gelebten Leben.

Wir sprachen über Künstler.

Über Bilder.

Über das Sammeln.

Als ich wieder ging, hatte ich verstanden, dass eine Sammlung viel mehr ist als eine Ansammlung von Kunstwerken.

Sie erzählt immer auch von einem Menschen. Magdas Bilder sind da, weil sie es ist. 

Vielleicht sammelt man am Ende gar keine Kunst. Sondern Erinnerungen.

Andrey Klassen

Künstlerin
Hamburg

Das Pferd

Ich entdeckte Andrey Klassen auf einer Vernissage bei Ralf Krüger in der Feinkunst Galerie.

Zwischen all den Bildern blieb ich plötzlich stehen.

Ein Pferd.

Es saß an einem Schreibtisch, hatte gerade etwas in ein Heft geschrieben und blickte gedankenverloren aus dem Fenster. Was Pferde so machen.

Ich musste lächeln.

Das Bild war zugleich poetisch, rätselhaft und voller stiller Geschichten.

Meine Frau liebt Pferde.

Noch während ich davorstand, wusste ich, dass ich ihr dieses Bild schenken wollte.

Ein paar Monate später besuchten wir Andrey in seinem Atelier.

Er hatte zu einem kleinen Umtrunk eingeladen.

Es war einer dieser Abende, an denen man spürt, dass aus einem Kunstwerk langsam eine Begegnung geworden ist.

Manche Bilder findet man nicht. Sie finden einen.

Jürgen Vorrath

Galerist · Produzentengalerie
Hamburg

Zweiundfünfzig Jahre

Ich lernte Jürgen Vorrath bei einer Ausstellung von Jonas Burgert kennen.

Wir begegneten uns wieder.

Und wieder.

Irgendwann gingen wir gemeinsam Mittag essen.

Später sogar zusammen nach Venedig.

Mit unseren Frauen.

Zur Biennale.

Jürgen gründete seine Produzentengalerie vor 52 Jahren.

Wenn er erzählt, hört man nicht nur Geschichten.

Man hört ein halbes Jahrhundert deutscher Kunstgeschichte.

Und trotzdem spricht er nie über sich.

Sondern fast immer über die Künstler.

Es gibt Menschen, die tragen ein ganzes Leben Kunst in sich. Und wirken dabei erstaunlich bescheiden.

Peter Raue

Kunstanwalt, Sammler und Kunstförderer
Berlin

Foto: Dr. Felix Stang

Die E-Mail

Fünf Monate beschäftigte ich mich erst mit zeitgenössischer Kunst.

Fünf Monate.

Eigentlich viel zu kurz, um ein großes Projekt zu beginnen.

Mal war ich überzeugt davon.

Mal fragte ich mich, ob ich mir das alles nur schön ausgedacht hatte.

Dann fiel mir Peter Raue ein.

Wir hatten uns fünfunddreißig Jahre zuvor bei einem Seminar unseres gemeinsamen Doktorvaters Karl August Bettermann kennengelernt. Seitdem nie wieder gesehen.

Also schrieb ich ihm.

Einfach so.

Eine Stunde später kam seine Antwort.

Er könne sich zwar nicht an mich erinnern. Aber wer Karl August Bettermann und Kunst in einem Satz zusammenbringe, bekomme selbstverständlich einen Termin.

Beim Essen sagte er dann: „Machen Sie das, das ist großartig!“

Aus einem Mittagessen wurden viele Gespräche.

Heute erlaubt mir Peter Raue, ihn einen Förderer meines Projekts zu nennen.

Diese E-Mail hat mein Projekt gesichert.

Sebastian und Simon Vogel

Editionsverleger und Galeristen · VogelArt und NEO
Nizza

Die erste Edition

Eigentlich wollte ich nur eine Edition von Jonas Burgert kaufen.

Ein Telefonat.

Ein paar Tage später war „blattleicht“ da. 

Ich freute mich. Und lernte etwas Neues: Die Edition ließ sich dank eines großartigen Druckverfahrens kaum von einem Original unterscheiden. Und sie war unikatisiert, Jonas hatte die Blätter auf dem Kopf seiner Protagonistin auf jedes einzelne Exemplar von Hand gemalt. 

Ich finde die Edition großartig und hatte etwas gelernt – noch wusste ich nicht, wie nützlich mir das bald werden sollte.

Ich rief die beiden an, bedankte mich und erzählte ihnen, wie begeistert ich war. Dabei erwähnten Sebastian und Simon Vogel, dass sie gerade eine Galerie in Nizza eröffnet hätten, NEO.

Von meinem Haus in Südfrankreich sind es nur wenige Stunden.

Also fuhr ich hin.

Aus einem Besuch wurden mehrere Werke.

Felix Schramm.

Jan Ole Schiemann.

Morgane Tschiember.

Und ein langes Gespräch über meine Projekte.

Am Ende sagten die beiden einen Satz, der vieles verändern sollte.

"Du musst Uta Grosenick kennenlernen."

Wenige Wochen später tat ich genau das.

Und wieder begann eine große Idee mit einem einzigen Telefonat.

Uta Grosenick

Kuratorin und Kunstbuchverlegerin
Berlin

Die richtige Person

Sebastian und Simon Vogel hatten gesagt:

"Du musst Uta kennenlernen."

Sie hatten recht.

Wir schrieben uns.

Telefonierten.

Dann trafen wir uns in Berlin.

Schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, genau die Person gefunden zu haben, die meinem Projekt noch gefehlt hatte.

Uta kennt Künstler.

Galeristen.

Verlage.

Vor allem aber versteht sie Bücher.

Sie öffnet Türen.

Ich gehe hindurch.

Den Rest erledigten Begeisterung und gute Gespräche.

Manchmal verändert ein Mensch nicht die Idee. Sondern ihre Möglichkeiten.

Jonas Burgert 

Künstler
Berlin

Das Gnu

Das schöne, aber große Bild von Jonas Burgert, „stichwarm wahr“, sollte in meinem Haus in Frankreich hängen.

Als es ankam, stellte sich heraus, dass es nicht passte.

Es hing schließlich in Hamburg.

Ich freute mich darüber.

Und gleichzeitig fehlte mir etwas.

Jonas hörte sich mein Problem an.

Er erlaubte mir nicht nur, eine verkleinerte Reproduktion anfertigen zu lassen.

Er erklärte sich sogar bereit, sie weiter zu übermalen und daraus ein neues Unikat entstehen zu lassen. Was für eine großzügige Geste, ja, ein Geschenk!

Und wie wunderbar, dass ich bei Sebastian und Simon Vogel gerade gelernt hatte, dass das überhaupt möglich ist.

Ich fragte mich, womit ich mich bei Jonas bedanken könnte.

Magda Rysopp, die Hamburger Sammlerin, gab mir einen ungewöhnlichen Hinweis.

Jonas freue sich über Tierpräparate.

Also fuhr ich mit dem Kopf eines afrikanischen Gnus zu seinem Atelier. Es bedurfte einer Palette.

Jonas schaute mich an.

Dann lachte er.

"So etwas hat mir wirklich noch niemand mitgebracht."

Wir lachten beide.

Wahre Freundschaft erkennt man manchmal an den ungewöhnlichsten Geschenken.

Caroline Krzyżecki

Künstlerin
Berlin

Die Hängung

Caroline Krzyżecki führte mich durch ihre Welt aus Rastermalerei und monumentalen Kugelschreiberzeichnungen.

Ich hörte zu.

Ich schaute.

Ich versuchte zu verstehen.

Sie wird gemerkt haben, dass ich noch ganz am Anfang stand.

Ich rechnete mit einer freundlichen Verabschiedung ohne Wiedersehen.

Stattdessen fragte sie:

"Haben Sie morgen Zeit?"

Gemeinsam mit ihrem Galeristen würde sie ihre neue Ausstellung hängen.

Ob ich dabei sein möchte.

Am nächsten Tag stand ich zwischen Bildern, Werkzeugen und noch leeren Wänden. Zum ersten Mal sah ich nicht nur eine Ausstellung. 

Ich sah, wie sie entstand.

Manche Einladungen sind größer, als sie zunächst klingen.

Jule Kewenig

Galeristin · Galerie Kewenig
Palma de Mallorca

Die Kapelle

Ich besuchte einen alten Freund auf Mallorca.

Natürlich schaute ich auch in die Galerien.

Eine Galerie in einer alten Kapelle zog meine Aufmerksamkeit auf sich.

Ich trat ein.

An den Wänden hingen zwei monumentale Arbeiten von Anselm Kiefer.

Ich blieb lange davor stehen. Besonders ein Bild aus Kiefers Serie „Frauen der Antike“ ließ mich nicht los. Die monumentale Größe. Die kraftvolle und zugleich verletzliche Frauengestalt. Die raue Oberfläche mit ihren ungewöhnlichen Materialien. Ich konnte mich kaum lösen.

Dann kam Jule Kewenig auf mich zu.

Wir sprachen über Kunst.

Über Künstler.

Über Galerien.

Die beiden Kiefer ließ ich hängen.

Sie kosteten jeweils über eine Million Euro. Ein Buch über die „Frauen der Antike“ von Yvon Lambert, Kiefers langjähriger Galerie, und ein Print aber finden den Weg zu mir.

Die Wucht von Anselm Kiefers Werken lässt mich seitdem nicht mehr los.

René Holm

Künstler
Hamburg

Beim zweiten Blick

Eigentlich war ich wegen Ralf Krüger, dem Galeristen, in die Galerie gekommen.

Dann lernte ich René Holm, den Künstler, kennen.

Seine Bilder gefielen mir sofort.

Mit seiner Keramik konnte ich gar nichts anfangen.

Dann entdeckte ich eine Bronze.

Sie ließ mich nicht mehr los.

Inzwischen wundert mich das kaum noch.

Fast jede Begegnung mit Kunst beginnt für mich anders, als sie endet.

Manches überzeugt sofort.

Anderes erst Wochen später.

Und manchmal verändert sich nur der Blick.

Vielleicht ist genau das das Schönste an dieser Reise.

Leiko Ikemura

Künstlerin
Berlin

Beim nächsten Mal

Leiko Ikemura war gerade von mehreren Ausstellungen im Ausland zurückgekehrt. Drei Museen in aller Welt zeigten gleichzeitig Werke von ihr in großen Einzelausstellungen.

Sie bat mich in ihr Haus, das ihr Mann, der Architekt Philipp von Matt, gebaut hat.

Schon im Flur staune ich über mich selbst: Noch vor kurzem wusste ich nichts von zeitgenössischer Kunst, jetzt erkenne ich sofort, was da an der Wand hängt: ein Foto der berühmten Candida Höfer.

Gemeinsam mit ihrem Mann hört sich Leiko mein Projekt „The White Room“ an.

Ich fragte sie, ob sie Teil davon werden möchte.

Nach kurzer Bedenkzeit war sie gerne bereit, an dem Projekt teilzunehmen. Ich freue mich riesig.

Als ich von meiner Leidenschaft für Künstlerkataloge erzählte, stand sie spontan auf, ging zum Bücherregal und legte mir mehrere Kataloge in die Hände.

Beim Abschied sagte sie:

"Beim nächsten Mal bringen Sie mehr Zeit mit."

Eine kleine Pause.

"Dann essen wir auch etwas."

Es gibt Einladungen, die sich anfühlen wie Vertrauen.

Bernd Schultz

Gründer des Auktionshauses Villa Grisebach
Berlin

Foto: Christian Werner

Das vorgezogene Himmelreich

Bernd Schultz hörte sich mein Projekt aufmerksam an.

Erst schwieg er einen Moment.

Dann schaute er mich an und zitierte lächelnd seinen früheren Lehrmeister, Mentor und späteren Senior-Partner Hans Pels Leusden: „Die Beschäftigung mit der Kunst ist wie ein vorgezogenes Leben im Himmelreich.“

Genau diese Begeisterung erkenne er bei mir.

Ich antwortete nichts.

Ich nahm den Satz einfach mit.

Seitdem höre ich öfter, dass Menschen meine Leidenschaft wahrnehmen, lange bevor ich selbst darüber nachdenke.

Vielleicht sieht man Begeisterung nie im eigenen Gesicht.

Sondern immer nur im Blick der anderen.

Manche Sätze begleiten einen länger als ganze Gespräche.

Christian Achenbach

Künstler
Berlin

Farben, die es nicht gibt

Eigentlich hatte Christian Achenbach gar keine Zeit.

Eine große Ausstellung wartete.

Trotzdem öffnete er sein Atelier.

Seine Landschaften schienen aus einer Welt zu stammen, die es nicht gibt.

Farben.

Rhythmus.

Bewegung.

Dann entdeckte ich Skulpturen.

Wieder eine Überraschung.

Langsam verstand ich, dass kein Atelier dem anderen gleicht.

Jedes erzählt seine eigene Geschichte.

Und jede beginnt mit einer geöffneten Tür.