THE WHITE ROOM

Die Kunst unserer Zeit – dort,
wo sie entsteht.

Gegenwartskunst begegnet uns meist als fertiges Werk.

In Museen und Galerien, auf Messen und in Sammlungen.

Doch bevor ein Werk dort ankommt, gibt es einen anderen Ort:

das Atelier.

The White Room führt an diesen Ursprung.

Das Projekt versammelt 33 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Generationen, Biografien, Medien und künstlerischer Haltungen zu einem vielstimmigen Porträt der Gegenwartskunst, wie sie heute in Deutschland entsteht.

Im Mittelpunkt stehen ihre Ateliers und die Menschen, die dort arbeiten.

Ein Fotograf porträtiert diese Räume mit seinem eigenen künstlerischen Blick. Anschließend wählt jede Künstlerin und jeder Künstler eine der entstandenen Fotografien aus und macht sie zum Ausgangspunkt eines neuen, eigenständigen Kunstwerks.

Persönliche Porträts, Werkabbildungen und frei gewählte Beiträge der Künstlerinnen und Künstler erweitern diesen Blick. Bei ausgewählten Positionen kommt die Perspektive von Menschen hinzu, die mit ihren Werken leben.

Aus diesen unterschiedlichen Ebenen entsteht ein Kulturprojekt, das Buch, Ausstellung und Film miteinander verbindet.

The White Room möchte Gegenwartskunst nicht nur dort zeigen, wo sie ankommt – sondern dort beginnen, wo sie entsteht.

Wie alles begann

Die Entwicklung des Ateliers

Als ich Anfang 2025 begann, mich mit Gegenwartskunst zu beschäftigen, besuchte ich schon bald Künstlerinnen und Künstler in ihren Ateliers.

Zunächst interessierte mich vor allem ihre Kunst. Doch nach wenigen Besuchen merkte ich, dass mich noch etwas anderes faszinierte: die Ateliers selbst.

Keines glich dem anderen.

Manche waren groß und lichtdurchflutet, andere klein und vollgestellt. In manchen herrschte eine fast konzentrierte Ordnung, in anderen ein scheinbares Chaos. Überall standen angefangene Arbeiten, Materialien, Bücher, Werkzeuge und Dinge, deren Bedeutung sich mir manchmal erst im Gespräch erschloss.

Ich begann zu verstehen, dass ein Atelier weit mehr ist als ein Arbeitsplatz.

Hier entstehen Ideen, wird ausprobiert und verworfen. Arbeiten stehen nebeneinander, die später vielleicht nie wieder gemeinsam zu sehen sein werden. Und hier begegnet man Künstlerinnen und Künstlern anders als in einer Galerie oder bei einer Ausstellung.

Je mehr Ateliers ich besuchte, desto stärker wurde mein Wunsch, etwas von diesen Orten festzuhalten.

Doch wie?

Eine klassische Dokumentation interessierte mich nicht. Ebenso wenig wollte ich Künstler einfach neben ihren Werken fotografieren lassen.

Mich interessierte der Raum selbst – und das, was er über die Entstehung von Kunst erzählen kann.

So entstand der Gedanke, einen Fotografen einzuladen, diese Ateliers mit seinem eigenen künstlerischen Blick zu erfassen.

Irgendwann stellte sich eine weitere Frage:

Was geschieht, wenn die Künstler selbst auf diese Fotografien antworten?

Damit veränderte sich die Idee.

Die Fotografie sollte nicht das Ergebnis sein, sondern Ausgangspunkt für etwas Neues. Jede Künstlerin und jeder Künstler sollte eine Aufnahme des eigenen Ateliers auswählen und daraus mit den eigenen künstlerischen Mitteln ein neues Original schaffen.

Aus der Fotografie eines Ortes, an dem Kunst entsteht, würde erneut Kunst entstehen.

Das war der Moment, in dem aus meiner Faszination für Ateliers The White Room wurde.

Mit der Zeit kamen weitere Gedanken hinzu: persönliche Porträts der Künstlerinnen und Künstler, ihre eigenen Stimmen, Werkabbildungen und die Perspektive von Menschen, die mit ihrer Kunst leben.

So entwickelte sich aus einer zunächst einfachen Idee Schritt für Schritt das Projekt, das heute entsteht.

Warum?

Die Gegenwart festhalten,
solange sie Gegenwart ist

Wie erinnern wir uns an eine Epoche?

An ihre Literatur, ihre Musik, ihre Architektur – und an ihre Kunst.

Doch wenn wir auf die Kunst vergangener Zeiten blicken, sehen wir fast immer das fertige Werk.

Vieles von dem, was zu seiner Entstehung gehörte, ist verschwunden: die Ateliers, die Situationen, die Gespräche, die Versuche und Entscheidungen – die Welt, in der diese Kunst entstanden ist.

The White Room möchte etwas von dieser Gegenwart bewahren, solange sie noch Gegenwart ist.

Nicht mit dem Anspruch, die Gegenwartskunst zu erklären oder abschließend abzubilden, sondern mit dem Wunsch, ihr näherzukommen.

Das Projekt richtet den Blick deshalb nicht nur auf Werke, sondern auf ihre Entstehung, auf die Orte und auf die Menschen.

Was heute alltäglich erscheint, kann morgen bereits Teil unserer Kulturgeschichte sein.

33 POSITIONEN

Ein vielstimmiges Porträt
der Gegenwartskunst in Deutschland

Welche Künstlerinnen und Künstler prägen die Gegenwartskunst, wie sie heute in Deutschland entsteht?

Darauf gibt es keine endgültige Antwort.

The White Room versteht sich deshalb weder als Ranking noch als Kanon.

Dreiunddreißig Künstlerinnen und Künstler stehen exemplarisch für die Vielfalt der heutigen Kunstlandschaft in Deutschland.

Unterschiedliche Generationen, Biografien und künstlerische Haltungen begegnen sich ebenso wie unterschiedliche Medien und Ausdrucksformen – von Malerei und Skulptur über Installation und Fotografie bis zur Konzeptkunst.

Jede Auswahl hätte auch anders getroffen werden können. Entscheidend ist nicht der Anspruch auf Vollständigkeit, sondern das Zusammenspiel.

Aus 33 eigenständigen Positionen entsteht so ein vielstimmiges Porträt einer lebendigen und vielfältigen Gegenwartskunst.

DAS ATELIER

Ein Ort, den das fertige Werk nicht zeigt

Bevor ein Kunstwerk seinen Weg in eine Galerie, ein Museum oder eine Sammlung findet, hat es bereits eine Geschichte.

Das Atelier trägt Spuren dieser Geschichte.

Angefangene und verworfene Arbeiten, Materialien und Werkzeuge, Bücher und Fundstücke, Proben, Skizzen und Dinge, deren Bedeutung nur die Künstlerin oder der Künstler kennt.

Manches davon wird später verschwinden. Anderes wird Teil eines Werkes.

Gerade deshalb interessiert The White Room dieser Ort.

Im Atelier zeigt sich etwas, das am fertigen Kunstwerk allein nicht mehr sichtbar ist: die Umgebung, in der künstlerische Entscheidungen getroffen werden.

Jedes Atelier erzählt auf seine Weise von Arbeitsweisen, Gewohnheiten und Materialien – und manchmal auch von Umwegen und Zweifeln.

The White Room betrachtet das Atelier deshalb als Teil der Geschichte eines Kunstwerks.

Als einen Ort, der sich verändert, während die Kunst bleibt.

DER FOTOGRAFISCHE BLICK 

Wenn aus Dokumentation Interpretation wird

Wie lässt sich ein Atelier fotografieren, ohne es lediglich abzubilden?

Diese Frage steht am Anfang der fotografischen Arbeit von The White Room.

Der Fotograf begegnet jedem Atelier als eigenständigem Raum und jeder Künstlerin und jedem Künstler als eigener Persönlichkeit.

Er sucht weder nach einem einheitlichen Bild noch nach einer vermeintlich typischen Vorstellung davon, wie ein Künstleratelier auszusehen hat.

Sein Blick ist subjektiv.

Die Fotografien sind deshalb keine neutralen Dokumente, sondern fotografische Interpretationen des jeweiligen Ortes.

Licht, Ausschnitt, Perspektive und Augenblick entscheiden darüber, was sichtbar wird – und was nicht.

So entsteht innerhalb des Projekts eine erste künstlerische Antwort auf das Atelier.

Die Fotografie zeigt einen realen Ort – aber durch die Augen eines anderen Künstlers.

Und sie wird anschließend selbst zum Ausgangspunkt für Kunst.

EIN NEUES ORIGINAL

Wenn Kunst auf Kunst antwortet

Mit der Atelierfotografie endet der künstlerische Prozess nicht.

Er beginnt ein zweites Mal.

Jede Künstlerin und jeder Künstler wählt eine der entstandenen Fotografien aus und macht sie zum Ausgangspunkt eines neuen, eigenständigen Kunstwerks.

Wie diese Arbeit entsteht, entscheidet allein die Künstlerin oder der Künstler. Es gibt keine gestalterischen Vorgaben.

Die Fotografie kann bemalt, ergänzt, überklebt, zerschnitten, überarbeitet oder vollständig verwandelt werden. Vielleicht bleibt sie deutlich erkennbar, vielleicht verschwindet sie fast vollständig.

Allein die künstlerische Handschrift entscheidet über Weg und Ergebnis.

So entstehen Werke, die es ohne The White Room nicht gegeben hätte.

Keine Illustrationen des Projekts und keine bloßen Bearbeitungen einer Fotografie, sondern neue Originale.

Darin liegt einer der zentralen Gedanken von The White Room:

Das Projekt betrachtet nicht nur, wie Kunst entsteht. Es schafft selbst einen Anlass für neue Kunst.

DIE PORTRÄTS

Den Menschen hinter der Kunst begegnen

Wer einem Kunstwerk begegnet, weiß oft wenig über den Menschen, der es geschaffen hat.

The White Room möchte auch diese Distanz verringern.

Jede Künstlerin und jeder Künstler wird deshalb durch ein eigens für das Projekt geschriebenes Porträt vorgestellt.

Diese Texte sollen weder Lebensläufe nacherzählen noch kunsthistorische Abhandlungen sein.

Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeit und Haltung, Erfahrungen und Gedanken – und die Frage, was einen Menschen dazu bringt, sein Leben der Kunst zu widmen.

Die Autorinnen und Autoren begegnen den Künstlerinnen und Künstlern, führen Gespräche, beobachten und hören zu. Dabei gibt es kein festes Schema und keinen Fragenkatalog, der für alle gleichermaßen gilt.

Jedes Porträt soll seine eigene Form finden.

Ergänzt wird es durch einen weiteren Beitrag, über dessen Form die Künstlerinnen und Künstler selbst entscheiden.

Das kann ein Interview sein, ein Gespräch mit einem Menschen, der ihr Leben oder ihre Arbeit besonders begleitet, ein eigener Text, eine Zeichnung, ein Gedicht oder etwas ganz anderes.

So steht neben dem Blick des Autors immer auch die eigene Stimme der Künstlerin oder des Künstlers.

MIT KUNST LEBEN

Was geschieht, nachdem ein Werk das Atelier verlassen hat?

Mit dem Verlassen des Ateliers endet die Entstehung eines Kunstwerks.

Seine Geschichte aber geht weiter.

Manche Werke finden einen Menschen, der über viele Jahre mit ihnen lebt.

Für The White Room gehört auch diese Beziehung zur Geschichte der Gegenwartskunst.

Deshalb begegnet das Projekt ausgewählten Menschen, die Werke der beteiligten Künstlerinnen und Künstler gesammelt haben und mit ihnen leben.

Nicht die Größe oder Bedeutung einer Sammlung und nicht der Besitz stehen dabei im Mittelpunkt, sondern die persönliche Beziehung zu einem Werk.

Warum gerade dieses Bild oder diese Skulptur?

Was verändert sich, wenn man einem Werk nicht für wenige Minuten in einer Ausstellung begegnet, sondern jeden Tag?

Manche Arbeiten schenken Freude. Andere bleiben rätselhaft. Manche fordern heraus oder verändern über die Jahre ihre Wirkung.

Die Sammlerinnen und Sammler werden gemeinsam mit den Werken fotografiert, die für sie eine besondere Bedeutung haben. In persönlichen Gesprächen erzählen sie von ihrem Leben mit dieser Kunst.

Damit verlässt The White Room am Ende das Atelier.

Der Weg führt vom Ort, an dem ein Kunstwerk entsteht, zu dem Ort, an dem es Teil eines anderen Lebens geworden ist.

Vielleicht schließt sich gerade dort der Kreis:

Kunst entsteht im Atelier. Aber sie lebt dort weiter, wo sie Menschen erreicht.