HINTER DER KUNST
Die Menschen, die Kunstgeschichte mitgeschrieben haben
Wenn wir über Gegenwartskunst sprechen, sprechen wir meist über Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke.
Doch Kunstgeschichte entsteht nicht allein im Atelier.
Hinter vielen Künstlerinnen und Künstlern stehen Menschen, die ihr Talent früh erkannt, ihnen vertraut, Ausstellungen ermöglicht, Bücher veröffentlicht, Werke gesammelt und sie manchmal über Jahrzehnte begleitet haben.
Galeristen und Sammler, Kuratoren und Museumsleute, Verleger, Förderer, Auktionatoren und viele andere.
Hinter der Kunst richtet den Blick auf diese Persönlichkeiten – auf Menschen, deren Entscheidungen und Überzeugungen die Entwicklung der Gegenwartskunst mitgeprägt haben.
WIE ALLES BEGANN
Drei Bücher – und eine neue Perspektive
Als ich begann, mich intensiver mit Gegenwartskunst zu beschäftigen, interessierten mich zunächst vor allem die Künstlerinnen und Künstler.
Ich besuchte ihre Ateliers, lernte ihre Werke kennen und führte viele Gespräche.
Doch auf diesem Weg begegnete ich zunehmend auch Menschen, die selbst keine Künstler waren und deren Leben dennoch untrennbar mit der Kunst verbunden war.
Ich lernte Persönlichkeiten wie Peter Raue und Bernd Schultz kennen, später auch Michael Werner und viele andere.
Ihre Geschichten faszinierten mich und machten mich neugierig.
Ich wollte mehr darüber erfahren, wie diese Menschen zur Kunst gekommen waren und welchen Anteil sie daran hatten, dass Künstler und Werke ihren Weg in die Öffentlichkeit fanden.
Also begann ich zu lesen.
Drei Bücher wurden dabei besonders wichtig.
Zuerst las ich die Erinnerungen Rudolf Zwirners, danach die Biografie Konrad Fischers von Brigitte Kölle und schließlich das Buch, das Ulrich Semler über seine Frau André Sfeir-Semler geschrieben hat.
Drei sehr unterschiedliche Lebensgeschichten – und doch hatten sie etwas gemeinsam.
Sie erzählten mir die Geschichte der Gegenwartskunst aus einer Perspektive, über die ich bis dahin kaum nachgedacht hatte.
Aus der Sicht von Menschen, die Künstler entdeckten, ihnen vertrauten und für ihre Arbeit eintraten. Die Risiken eingingen, Widerstände überwanden und mit ihren Entscheidungen dazu beitrugen, dass Kunst sichtbar wurde.
Je mehr ich las, desto mehr fragte ich mich:
Warum wissen wir so viel über die Künstler – und so wenig über viele der Menschen, die ihren Weg entscheidend begleitet haben?
Über einige gibt es Biografien, Erinnerungen oder Interviews, über andere erstaunlich wenig.
Vor allem aber fand ich keine Erzählung, die diese Lebensgeschichten miteinander verbindet und durch sie die Entwicklung der Gegenwartskunst aus einer anderen Perspektive erzählt.
Aus dieser Frage entstand Hinter der Kunst.
DIE IDEE
Eine andere Geschichte der Gegenwartskunst
Hinter der Kunst möchte die Geschichte der Gegenwartskunst durch die Menschen erzählen, die sie gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern geprägt haben.
Dabei geht es nicht darum, die Bedeutung der Künstler zu relativieren, sondern das Bild zu erweitern.
Denn Kunst braucht nicht nur Menschen, die sie schaffen.
Sie braucht auch Menschen, die sie erkennen, an sie glauben und bereit sind, etwas zu wagen.
Ein Galerist entscheidet sich für einen noch unbekannten Künstler. Eine Sammlerin kauft ein Werk, lange bevor sein Schöpfer berühmt ist. Ein Kurator ermöglicht eine Ausstellung. Ein Verleger schafft ein Buch. Ein Museumsdirektor setzt sich für eine Position ein, die noch umstritten ist.
Solche Entscheidungen können Karrieren verändern – und manchmal auch Kunstgeschichte.
Hinter der Kunst möchte die Menschen und Geschichten hinter diesen Entscheidungen sichtbar machen.
Wie erzählt werden soll
Kunstgeschichte, die man lesen möchte
Es gibt hervorragende kunsthistorische Bücher über Künstler, Galerien, Sammlungen und einzelne Epochen.
Hinter der Kunst möchte etwas anderes sein.
Mein Wunsch ist ein Buch für Menschen, die Gegenwartskunst lieben – aber ebenso für diejenigen, die bisher kaum etwas über sie wissen.
Deshalb sollen nicht kunsthistorische Begriffe oder wissenschaftliche Einordnungen die Erzählung bestimmen, sondern Menschen und Geschichten.
Es geht um Entdeckungen und Entscheidungen, um Mut und Zweifel, Erfolg und Scheitern, Freundschaften, Rivalitäten und Konflikte. Und um Zufälle, die im Rückblick plötzlich entscheidend erscheinen.
Das Buch soll Wissen vermitteln, ohne wie ein Lehrbuch zu wirken.
Es soll Zusammenhänge erklären, ohne die Geschichten unter ihnen zu begraben.
Und es soll von Persönlichkeiten erzählen, die man beim Lesen kennenlernen möchte.
Die Menschen und ihre Geschichten
Lebenswege, die sich mit Kunst verbinden
Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen, Charakteren und Überzeugungen.
Manche wurden zu einflussreichen Galeristen, andere bauten bedeutende Sammlungen auf. Wieder andere leiteten Museen, organisierten Ausstellungen, veröffentlichten Bücher oder förderten Künstler auf eine Weise, die sich keiner einfachen Berufsbezeichnung zuordnen lässt.
Mich interessieren dabei nicht nur ihre Erfolge, sondern vor allem ihre Wege.
Wie entdeckten sie die Kunst? Wann erkannten sie etwas, das andere noch nicht sahen? Welche Entscheidungen erwiesen sich als richtig, wo irrten sie sich? Welche Widerstände mussten sie überwinden, welche Freundschaften entstanden, welche Konflikte?
Und was bleibt am Ende eines Lebens, das über Jahrzehnte mit Kunst verbunden war?
Diese Geschichten stehen nicht isoliert nebeneinander.
Die Wege der Menschen kreuzen sich. Künstler tauchen in mehreren Geschichten auf. Galeristen begegnen Sammlern, Kuratoren treffen auf Museumsdirektoren. Freundschaften entstehen, Partnerschaften zerbrechen, Galerien werden gegründet, Ausstellungen verändern Wahrnehmungen.
Hinter der Kunst soll deshalb kein Lexikon bedeutender Persönlichkeiten und keine Aneinanderreihung einzelner Biografien werden.
Aus vielen Lebenswegen soll eine zusammenhängende Erzählung über die Entwicklung der Gegenwartskunst entstehen.
Das Ziel
Neugierig auf Kunst machen
Hinter der Kunst ist auch eine Würdigung jener Frauen und Männer, deren Lebensleistung mit der Geschichte der Gegenwartskunst verbunden ist und deren Beitrag häufig weniger sichtbar ist als die Werke und Künstler, für die sie sich eingesetzt haben.
Doch das Projekt verfolgt noch ein zweites Ziel.
Es möchte Menschen neugierig machen.
Vielleicht liest jemand dieses Buch, der bisher noch nie eine Galerie betreten hat. Vielleicht begegnet ihm darin eine Geschichte, die ihn fasziniert – ein Künstlername, eine Ausstellung, ein Werk.
Und vielleicht möchte er danach selbst sehen, worum es geht.
Er besucht eine Galerie oder ein Museum und bleibt vor einem Werk stehen, an dem er früher vorbeigegangen wäre.
Wenn Hinter der Kunst beides gelingt – außergewöhnliche Lebenswerke zu bewahren und zugleich neue Menschen für Gegenwartskunst zu interessieren –, dann hat dieses Projekt sein Ziel erreicht.
Denn hinter der Kunst stehen Menschen.
Und hinter diesen Menschen stehen Geschichten, die erzählt werden sollten.